Veränderungen sind ja für viele Menschen so eine Sache. Vor allem, wenn es um das eigene Verhalten geht. Als ich mich aufmachte, eine kleine Verhaltensänderung in mein Leben einzuladen, habe ich etwas entdeckt. Plötzlich tat sich – ausgelöst durch eine neue Frage – eine neue Welt auf. Möglicherweise bietet diese Frage auch Ihnen einen Schlüssel, der in die Schlösser Ihrer Veränderungsvorhaben passt. Viel Freude beim Ausprobieren!

Der eine kann es und tut es – wenn er denn will

Kennen Sie das? Sie finden etwas gut, verfolgen es aber (doch) nicht weiter. Oder Sie möchten etwas tun, tun es dann aber (doch) nicht. In meinem Fall war dies „kalt duschen“. Naja, genaugenommen war es auch „in kalten Bergseen springen“ und „mich im Atlantik wohlfühlen“. Vielleicht winken Sie jetzt ab, so wie meine Kinder. Denn die sitzen, wenn sie denn wollen, ewig in jedem Eisbecken. Wenn ich dann – mit konzentriert verkniffenem Blick den Fuß reintauche, schauen sie mich mit ihrem „Ehrlich jetzt?“-Gesicht an. Kurz gesagt: wer will und kann, der erkennt einfach kein Problem! Und stellt oft die wenig nützliche Frage: „Warum tust du es nicht einfach (ha!), wenn du es doch willst?“

Die Bremse im Archiv der persönlichen Geschichten

Liebe Leute, am Wollen liegt es nicht. Im Gegenteil: mein Kopf (also mein Präfrontaler Kortex, in dem Planung und Kontrolle residieren) ist voll des Lobes für die Veränderungsidee. Aktivierung! Lebensgeister! Fit für den Tag! All das kann noch dazu als attraktives Ziel gelten. Anders formuliert: Mehr „Hin-zu“-Bewegung geht doch kaum! Also wer tritt denn trotz alldem auf die Bremse? Leider ist in unserem Kopf noch eine andere Instanz am Werk: der „Speicher der alten Geschichten“. Und aus diesem Archiv unserer Erlebnisse, Gedanken und Gefühle erzählen wir uns – und auch anderen – die gleichen Geschichten immer und immer wieder.

Verändern heißt fragen statt erzählen

Meine Geschichte ist kurz: „Ich bin eine Frostbeule. Wenn es kalt wird, verspannen alle meine Muskeln“. Statt wieder einmal diese Geschichte zwei Menschen zu erzählen, die ihrerseits kalt duschen (wollen, können und tun), tat ich einmal etwas Neues. Das heißt, ich stellte ihnen eine Frage: „Was ratet Ihr mir, die ich bei Kälte sofort mit verspannten Muskeln reagiere?“ (Eine sowohl kontextspezifische als auch relevante Frage – so sind nützliche Fragen, wie ich später bei Hal Gregersen las). Der Rat der unerschrockenen Kaltduscher lautete: 1. Atme hörbar aus! (Das aktiviert den Parasympathikus, was wiederum die Muskeln entspannt), 2. Erkläre dir freundlich die sensorischen Reize (kein Witz!) „Ja, linkes Bein, das ist jetzt kalt, das kennst du schon…“.

Der Stoff, aus dem Veränderungsgeschichten sind

Gehört, getan. Also „hörbar ausatmen“. Plötzlich erinnerte ich das Prusten unter einer kalten Schwimmbaddusche in Kindertagen… „Ja, linkes Bein, das ist jetzt kalt, das kennst du schon“. Die Entspannung beim Ausatmen und die freundliche Annahme dessen was ist, re-aktivierten schlagartig mein Wissen, dass ich wirklich schon oft kalt geduscht habe. Plötzlich war in meinem Kopf der Satz „Ich konnte früher kalt duschen, und ich kann heute kalt duschen“. Einfach da. Glaubhaft. Aber: ich musste diesen Satz, der wahr und ermutigend ist, erst in mir wiederfinden. Ha, jetzt bin ich eine von denen, die es einfach tut, wenn sie es will und weil sie es will.

Verändern Sie sich leichtfüßig!

1. Was möchten Sie gern, können es aber (noch) nicht? Und welche (alte) Geschichte erzählen Sie sich dazu?
2. Fragen Sie eine wohlmeinende Person (real oder auch im Geiste) „Was rätst du mir, wo ich bisher …
3. Setzen Sie den Rat (ggf. in Etappen) um. Atmen Sie tief ein und aus und sprechen Sie liebevoll mit sich. Lauschen Sie Ihren Gedanken. Notieren Sie auftauchende wahre und ermutigende Sätze.

Sind Sie mit Freude beim Erforschen Ihrer Gedanken, Gefühle und des Miteinanders? Lesen Sie hier mehr!